Sächsische Zeitung Montag, 25. Februar 2008 URL: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=1753566
Über sieben Brücken zum Jazz Von Bernd Goldammer
Anke Lautenbach und Pianist Claus-Dieter Bandorf: Sie brachten mit Volksliedern und einem Karat-Hit den Dixiebahnhof ins Schwingen.Foto: Goldammer
Weixdorf. Freitagabend war der Dixiebahnhof Aufführungsort eines atemberaubenden Jazz-Erlebnisses.
So viel war bekannt: Anke Lautenbach hat eine großartige Stimme. Sie stammt aus Halberstadt, studierte und lebte einst in Leipzig. Aus dieser Zeit hat sie sich einige Dialektrudimente erhalten, mit denen sie am Freitag den Weixdorfer Dixiebahnhof hin und wieder in Heiterkeit versetzt. Zu diesem Zeitpunkt liegen bereits 90 Minuten voller musikalischer Experimente hinter der Sängerin und ihrem Publikum. Das Eis ist längst gebrochen. Eine großartige Stimmung hat den Saal erfasst. Und wenn man jetzt erfährt, dass ein Großteil ihres Repertoires aus beliebten Volksliedern bestand, wird klar, dass Anke Lautenbach vor ihrem Jazzpublikum auf glattem Eis gestartet war.
Gefühl fürs Besondere
Doch sie packt die Dinge mit ihrem unbeschreiblichen Gefühl für Besonderheiten. Deshalb gelingt ihr offenbar alles. Egal, ob ein Lied wie „Dad du min Levste bist“ oder Cat Steevens „Morning is broken“ und „Wenn ich ein Vöglein wär“ – aus ihr klingt alles nach einem taufrischem, sonnendurchfluteten Bach. In der wundervollen Weite ihrer Stimme verlieren sich Genre-Grenzen. Mit ihrer spielerischen Leichtigkeit zieht sie ihr Publikum in den Bann. Mal kommt sie zart und weich daher; und wenig später ist sie wieder die absolute Diva. Jedem wird klar: Hier steht eine der großen Damen des Chanson, Jazz, Pop, Musicals und der Oper auf der Bühne. Jedes Gebiet füllt sie mit ihrer Stimme und ihrer Besonderheit.
„Eigentlich brauche ich hier kein Mikrofon“, lächelt sie von der Bühne. Stimmt! Aber auch ihr Charme geht unter die Haut. Das war übrigens schon als Frontfrau der Pop-Band „Datzu“ in DDR-Zeiten so. Inzwischen hat sie die Welt gesehen, ist reifer und fraulicher geworden. Und ihre musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten scheinen unbegrenzt zu sein. Genau richtig für einen Pianisten vom Schlage eines Claus-Dieter Bandorf. Am Klavier hat er die gleiche Leichtigkeit. Er schreibt ihr die Arrangements. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass dieses Duo auf der Weixdorfer Bühne wie aus einem besonderen Guss wirkt?
Und auch Kinderlieder
Begeisterung hat das Publikum erfasst. „Wenn man Volkslieder auf diese Weise präsentiert bekommt, erschließen sie sich auf neue Weise“, freut sich Lothar Birkner aus Dresden. Wenig später legt Anke Lautenbach noch einen drauf: „Hänsel und Gretel“, ja, dieses Kinderlied bringt sie swingend – und dann der Karat-Charaktersong „Über sieben Brücken musst du gehn“. Manche meinen, dass dieses Lied inzwischen auch zu einem Volkslied geworden sei. Das Musikvolk hatte schon immer einen guten Geschmack. Hier kann man dieses Lied jetzt in der Stimmlage von Anke Lautenbach erleben. Es wirkt innig und mit stärkerem Ausdruck.
Der Schlussbeifall ist riesig. Die Sängerin bedankt sich großzügig. Zugabe folgt auf Zugabe. „Es war schön, sie wieder zu sehen und zu hören. Mich begeistert, wie lustbetont und spielerisch sie ihr Programm zusammengestellt hat“, schwärmt Pia Liemann aus Dresden bevor sie in die Straßenbahn vorm Haus steigt.